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Gepflegte Wiener Kaffeehauskultur in der Brigittenau

Egal ob Alteingesessener oder urbaner Zuzügler. Das Café Vindobona empfängt, laut eigenen Worten, Frühaufsteher, Langschläfer, Heimkehrer und Gipfelstürmer mit offenen Armen, egal woher man kommt. Solange man sich zwischen 7 und bis 24 Uhr einfindet. Mit einer großen Anzahl an Frühstücksvariationen, einem umfangreichen Zeitungsangebot und selbstverständlich hervorragendem Kaffee, bietet das Vindobona alles, was ein Besucher eines klassischen Wiener Kaffeehauses begehrt. Ganz spezielle Freude bereitet das Café Gästen im Sommer, wenn man gemütlich den ganzen Tag im Schanigarten auf dem Wallensteinplatz vertändeln kann. Was es mit der Kaffeehauskultur im Speziellen und mit dem Vindobona im Allgemeinen auf sich hat, haben wir mit Albert Schmidleitner, Geschäftsführer des Café Vindobona, im Interview nachgefragt. 

Das Café Vindobona ist eine Institution in der Brigittenau – was macht das Café Vindobona aus?

Das Alleinstellungsmerkmal, dass wir haben ist, dass das Café Vindobona einfach ein klassisches Kaffeehaus ist, obwohl wir erst 8 Jahre alt sind. Vorher war das ja eher ein Beisl. Aber es gibt halt in der Umgebung kein klassisches Wiener Kaffeehaus mehr, wo man Kaffee trinken kann, wo man Zeitungen lesen kann. 

Wenn Sie jemandem das Café Vindobona beschreiben müssten, der noch nie hier war, was würden Sie sagen?

Erzählen würde ich, dass wir ein absolut tolles Frühstücksangebot haben mit 23 verschiedenen Mahlzeiten haben. Außerdem eine große Auswahl an Zeitungen und guten Kaffee. Also alles was zu einem klassischen Kaffeehaus dazugehört.

Sie berufen sich auf die „gepflegte Wiener Kaffeehaustradition“. Was kann man sich darunter vorstellen?

Naja, dass es eine gewisse Ruhe gibt. In einem Kaffeehaus kann man halt sitzen und einen Kaffee trinken solange man möchte. Abgesehen davon würde ein klassisches Wiener Kaffeehaus nie auf die Idee kommen, einen Wurlitzer hineinzustellen oder anderweitig Musik zu machen. Es ist von in der Früh bis am Abend hell beleuchtet. Das heißt, man kann hier etwas lesen, ob Zeitungen oder Bücher, ganz egal. Und wenn man ein Rendezvous hat, wenn man es schummrig haben möchte, dann muss man eigentlich in ein anderes Lokal gehen. Gemütlichkeit und Ruhe spielen hier eine große Rolle.

Was ist das Spezielle am Café Vindobona?

Naja, das ist in Wirklichkeit das Frühstück. Wir haben Gäste die aus Floridsdorf aus Stadlau, oder aus dem 19. Bezirk herkommen um hier extra zu frühstücken. Die Qualität hat sich also herumgesprochen. Vor allem auch im Sommer, wenn wir auf dem Wallensteinplatz einen Schanigarten haben, sind die Plätze sehr begehrt.  Das Frühstück ist tatsächlich ein Grund, warum viele Leute herkommen. Alles andere ergibt sich, aber da haben wir einen Nerv getroffen. 

Erwähnenswert ist, dass Sie viele verschiedenen Tages- und Wochenzeitungen sowie Magazine auflegen. Was hat es damit auf sich?

Naja, dass verstehe ich eben als klassisches Wiener Kaffeehaus. Wir haben halt eine große Auswahl an Zeitungen und Zeitschriften aufliegen, auch wenn manche vielleicht meinen, dass das in Zeiten des Internets nicht mehr so eine große Rolle spielt. Da hat jeder Gast freien Zugriff. Das geht von der New York Times bis zu Hurriyet, von der Süddeutschen bis zu LeMonde, also wirklich auch internationale Medien, die sie nicht in jeder Trafik bekommen. Dasselbe gilt für die Magazine. Von der Bild am Sonntag über das Politikmagazin Cicero, Newsweek, der Gala bis hin zum Satiremagazin titanic haben wir eine sehr große Auswahl zum Schmökern und Lesen. 

Wann sollte man am besten Café Vindobona gehen? Zum Frühstück, Mittagessen, Abendessen, oder einfach zum Kaffee, Tee oder Bier?

Sie können bei uns auf einen Kaffee gehen, ganz klassisch, selbstverständlich. Zwischen 7 und 24 Uhr können Sie jeder kommen und werden bedient. Wir haben Mittagsmenüs, Sie können a la carte essen, Kaffee oder Tee trinken, aber auch ein Fest feiern. Wir haben alle Möglichkeiten. Die Hauptzeit, wo wir die meisten Gäste haben, ist der Vormittag. Auch unter der Woche, aber speziell am Wochenende. Von 9 bis 14, 15 Uhr ist schon das Hauptgeschäft. 

Welche Art von Gästen besuchen das Café Vindobona? Warum geht mans ins Café Vindobona?

Wir haben ein sehr gemischtes Klientel. Es ist ja auch eine sehr gemischte Gegend. Wir sind sehr bunt gemischt von Alt bis Jung. Von 15jährigen Schülern aus der Karajangasse bis zu einer 100jährigen Frau die fast jeden Tag mit ihrem Hund vorbeikommt. Da ist alles dabei. Auch finanziell. Es gibt hier in der Nähe auch etliche relativ wohlhabende Leute, die zu uns kommen. Aber günstige Angebote haben wir auch. Von 7 bis 12 Uhr kostet der Kaffee nur 1,50 Euro. Da gibt’s auch Leute, die dieses Angebot nützen. 

Was macht die Lage im 20. Bezirk aus?

Der 20. Bezirk, das Grätzl hier, ist in Wirklichkeit im Umbruch. Es hat sich in den letzten Jahren viel getan. Vor allem baulich. Vor 10 Jahren war da hier eine relativ arme Gegend und jetzt schließen wir irgendwie zum 2. Bezirk auf. Von dort ziehen auch viele Leute hierher, weil der 2. Bezirk absolut teuer geworden ist. Es geht also schon auch ein bisserl in Richtung Bobos, die hierherziehen und dann auch gerne zu uns ins Café Vindobona kommen. Momentan haben wir aber noch ein sehr durchmischtes Viertel, was die Gäste betrifft. Das Publikum ist also urban, aber auch alteingesessen. Wie zum Beispiel unsere hundertjährige Dame. Die kommt meistens schon in der Früh zum Frühstück, aber auch mal zum Kaffeetrinken, es ist wirklich unterschiedlich. 

Welche Bedeutung spielt für sie das Kabarett Vindobona?

Wir haben immer darauf geachtet, dass es vom Café getrennt wird. Beim Kabarett machen wir ja vor allem Dinnershows, Konzerte und solche Geschichten, aber wir wollten immer, dass das Kaffeehaus eigenständig ist. Wenn wir Theater spielen und es die Vorstellung ist gut besucht, dann ist es fast geschäftsschädigend, wenn die Leute kurz vorher hereinkommen und dann gleich ins Kabarett gehen. Danach ist das Lokal leer und vorher haben dann vielleicht 30 andere Leute einen Platz gesucht und keinen gefunden und gehen dann woanders hin. Generell glauben ja viele Leute, der 20. Bezirk, unser Kabarett liegt irgendwo jenseits von Maria Enzersdorf. Aber wenn sie dann einmal entdeckt haben, dass wir eigentlich sehr zentrumsnah liegen, dann sind sie überrascht und kommen wieder. Denn es kommen ja, wie gesagt, vor allem zum Frühstücken Leute aus irrsinnig vielen Grätzln her. Und das machen sie nur, weil wir in Wirklichkeit sehr zentral liegen. Abgesehen davon ist der Wallensteinplatz einer der wenigen Plätze, der der Gemeinde Wien wirklich gut gelungen ist. Wenn man im Sommer abends hier sitzt, dann hat das sehr viel italienisches Flair.

 

Herr Schmidleitner, vielen Dank für das Gespräch.