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Wochen 4 bis 6

09.10.2016 02:49 | Christoph Seifriedsberger

Alles in allem waren die vergangenen Wochen sehr ruhig. Sobald man seinen Rhythmus gefunden hat und der Hype um die ersten Footballspiele der Saison verflogen ist, stellt sich ein Alltag ein, der nur wenig Raum für große Erlebnisse lässt. Das Training hier läuft soweit ganz gut, und ich konnte meinen Platz in der ersten Mannschaft soweit noch verteidigen. Dennoch bleibt der Trainingsalltag hier sehr wettbewerbsorientiert, was, gepaart mit der enormen Dichte an international erfahrenen Ruderern dazu führt, dass man stetig um seinen Platz in dem ersten „varsity“ Boot (1V) kämpfen muss. Dennoch kann man hier immer auf die Unterstützung seiner Mannschaftskameraden zählen, was eine sehr dynamische Atmosphäre kreiert.

In den vergangenen 4 Wochenenden waren jeweils eine Hand voll Rekruten, also Highschool-Schüler in ihrem letzten Schuljahr, die sich um eine Stelle in Cal als Athleten bewerben oder von der Universität abgeworben werden, zu Besuch, um den Trainingsalltag zu begutachten. Die Rekruten bleiben meistens 3 Tage und verbringen die gesamte Zeit mit den Athleten. Dieses Wochenende dürfen wir einen ganz besonderen Gast willkommen heißen. Tim Ole Naske, der deutsche Einerfahrer und doppelter U23- Weltmeister (im 1x 2016 und 2x 2015), hat das Angebot der Universität, sich den Campus und das Ruderzentrum einmal anzusehen, angenommen. Sowohl Ferdi als auch ich kennen ihn bereits von den Youth Olympic Games 2014, daher hatte ich mich schon länger auf seinen Besuch gefreut. Leider muss ich dieses Wochenende für meinen Geschichte-Midterm lernen. Das bedeutet endloses Lesen von historischen Texten. Was an sich ist sehr interessant ist, weil man den historischen Kontext von verschiedenen Ereignissen besser nachvollziehen kann, als auch die Logik die dahintersteckt, nur birgt das Englisch des 18. Jhd. so seine Tücken.

 

Letzten Freitag hatte ich die Möglichkeit einen Sabbat-Dienst und anschließendem koscheren Abendessen in der jüdischen Gemeinde in Berkeley beizuwohnen. Der Gottesdienst selbst war eher spielerischer Natur. Die hebräischen Gebete wurden gesungen, und im Gegensatz zu der konservativen Version, saßen wir in einem Sesselkreis um so eine freundschaftliche Atmosphäre zu kreieren. Dieser Abend war einer der Lustigsten die ich hier bis jetzt hatte. Ich wurde in dieser Gemeinschaft sehr herzlich willkommen geheißen und als die Leute von meiner Herkunft erfuhren waren alle gleich Neugierig und interessiert wie Österreich denn sei. Die Menschen hier haben allgemein sehr viel Respekt vor Sportlern und „Internationals“.Nächste Woche beginnt dann endgültig die Selektionsperiode für die Head oft he Charles Regatta. Dafür muss ich mich möglichst fit halten, bzw. wieder gesundwerden. Dort treffen wir nämlich auf den britischen Nationalachter und den „Grat Eight“ ein zusammengesetztes Boot aus den 8 stärksten Einerfahrern der Welt, dieses Mal unterstützt von einigen Riemenruderern. Nur der polnische Einerfahrer, Natan Wegrcycki-Szymczyk ist in unserem Team. Er war 7. bei den olympischen Spielen in Rio, also ist mit ihm als Verstärkung hoffentlich einiges möglich.


Christoph Seifriedsberger, U23-Weltmeister im Vierer bei der WM in Rotterdam 2016, erhielt aufgrund seiner Ruderleistungen und der ausgezeichneten schulischen Erfolge ein Stipendium auf der Elite-Uni Berkeley, USA. Er war Junioren-Europameister 2013 und trainiert bereits für die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio, Japan. Christoph wird von uns mit einem Stipendium unterstützt und berichtet hier regelmäßig über seine Erfahrungen und Erlebnisse in den USA.

Der erste Test

19 Minuten durch die Hölle

Letzten Freitag gab es den ersten großen Leistungstest im Ruderteam. 6000m mit maximaler Ausbelastung. Leider waren nur die wenigsten in Topform und so kam es, dass die meisten Athleten nicht an ihre Bestzeit herankamen. So auch ich, ich verpasste meine Bestzeit um 3 Sekunden, womit ich an sich sehr zufrieden bin. Die Tatsache, dass die Zeiten im Großen und Ganzen sehr solide und durchaus wettbewerbsfähig waren, ließ unseren Trainer sehr zuversichtlich wirken. Außerdem hatte er uns nach dem Test gesagt, dass er sehen wollte wie welche Leistung wir bringen wenn wir müde sind, ob wir trotzdem unser Potenzial ausschöpfen oder ob wir uns von der Ermüdung überwältigen lassen. Im Nachhinein ist es schwer zu beantworten was auf mich zutrifft, hätte ich schneller sein können? Vielleicht. Vielleicht hatte ich aber auch einen guten Test und konnte tatsächlich meine maximale Leistung abrufen. Es mag vielleicht absurt klingen nicht zu wissen ob man tatsächlich alles gegeben hat oder nicht. Man kennt seinen Körper doch und müsste sich sicher sein. Nun ja, man ist erschöpft, aber man stellt sich immer wieder die Frage hätte man nicht diese Sekunde schneller sein können. Außerdem erholt man sich normalerweise recht schnell von so einer Anstrengung, so dass es im Nachhinein immer sehr schwer ist den Grad der Ausbelastung nachvollziehen zu können.

Unsere Tests wurden jedoch von Marcins Test überschattet. Er konnte die 6000m in einer Fabelzeit und neuem Cal-Crew Rekord absolvieren. Marcin ist einer unserer polnischen Ruderer und rein physisch gesehen unser stärkstes Mitglied. Er ist in seinem 2ten Jahr hier in Berkeley und hat ähnlich wie die meisten hier noch kein Hauptstudium festgelegt. Ich denke jedoch dass er in Richtung Soziologie gehen wird.

Schulisch gesehen gibt es zum Glück keine gröberen Probleme, Mathematik mit einer B bestanden, was eine signifikante Verbesserung gegenüber dem letzten Test darstellt. Ich mache mir nur etwas sorgen über meinen Geschichte Aufsatz, ich habe zwar nur mehr 4 Seiten zu schreiben und sollte auf jeden Fall fertig werden, dennoch stellt das für mich ein völlig neues gebiet dar und ich bin nur etwas unsicher ob ich es in der Art schreibe wie es von mir verlangt wird. Nichts desto trotz ist bald, Thanksgiving und ich persönlich freue mich schon sehr auf die Woche Ferien. Ich werde diese wahrscheinlich in Victoria, Kanada verbringen und bekomme möglicherweise auch die Chance mit dem kanadischen Olympiateam zu trainieren.

Die erste Welle kurz nach dem Start des 6000ers
Das Cal-Crew Bootshaus in dem der in Oakland um 5 Uhr in der früh. Dort wurde der Test abgehalten