Skip to main content

Head of Charles

04.11.2016 - 18:11 | Christoph Seifriedsberger

Es war leider sehr lange nicht klar, ob ich tatsächlich zu der Head of the Charles-Regatta fahren darf, da Probleme mit meiner NCAA Rennberechtigung aufgetreten sind. Meine Übersetzungen wurden anfänglich nicht angenommen. Allerdings konnten das die Coaches, nach einem langen Arbeitswochenende lösen und ich durfte fahren. Die Nachricht bekam ich am Tag vor Abflug. Am Donnertag den 20. Oktober ging der Flug dann nach Boston. Er dauerte 6 Stunden und in Boston herrschte eine Zeitdifferenz von -3 Stunden. Mir kam die Idee abstrakt vor, das Land nach einer so langen Reise nicht verlassen zu haben. Daran merkt man erst wie groß das Land tatsächlich ist.

Von Boston selbst konnte ich leider nicht viel sehen. Wir verbrachten die meiste Zeit in dem Motel etwas außerhalb der Stadt oder auf der Regattastrecke. Die Rennen fanden auf dem Charles-River statt. Dort trainieren auch die in Boston ansässigen Universitätsmannschaften, wie die von Harvard, Brown oder der Boston University. Jeder der „The Social Network“ gesehen hat, könnte die Strecke aus dem Film kennen. Der Regattaplatz war verhältnismäßig groß und je weiter es gegen die Renntage ging, desto voller wurde der Platz dann schließlich auch. Da die Cal-Mannschaft letztes Jahr IRA-Champion wurde, wurde die Mannschaft dort sehr von Ruderern, aber auch von Nichtruderern sehr bewundert. Glücklicherweise mussten wir uns auch über die Verpflegung keine Sorgen machen, da wir jeden Abend zum Essen eingeladen wurden. So verbrachten wir Freitag und Samstag mit Rennvorbereitungen. Boot und Ruder wurden uns zur Verfügung gestellt. Was die Logistik der An- und Abreise erheblich erleichterte.

Am Sonntag war es dann soweit. Mein erstes Rennen für dieses Team und das sogar im 8er. Darauf war ich stolz, aber ich war auch nervös. Würde ich mit den ganzen großen Jungs da mithalten können? Zum Glück saß ich hinter Ferdi. Sein Ruderstil ist mir bestens bekannt und bot mir eine gute Stütze an der ich mich orientieren konnte. Am Renntag war es extrem Windig und kalt. Böen bis zu ~60 km/h machten das Rudern auf dem 3 Mailen-Kurs erheblich schwerer, vor allem da der Kurs sehr Kurvig ist. Dennoch glückte der Start und die erste Maile verging im Handumdrehen, doch danach ging es mir immer schlechter und ich drohte mitten im Rennen zu kollabieren. Der Koffeinzusatz tat mir doch nicht so gut. Der Rest des Rennens fühlte sich an wie eine Ewigkeit. Im Ziel angekommen war es mir kaum möglich aufrecht zu sitzen, und ich selbst bekam auch nicht wirklich mit wie das Rennen eigentlich zu Ende ging, doch die Mannschaft dürfte recht zufrieden gewesen sein. Wir wurden 2te hinter Washington und vor Harvard. Unser Trainer war zufrieden, meinte aber, dass wir an unserer Physis noch mehr arbeiten müssen. Das bedeutet die nächsten Wochen würde hart gearbeitet. Und das konnte ich bereits merken. Die Programme auf dem Ergometer waren zwar relativ kurz, alles in allem nur eine Stunde, aber extrem intensiv und sehr kraftorientiert. Was bedeutet, dass die Schlagzahl sehr niedrig war, der Kraftaufwand aber vergleichsweise hoch. Ich selbst konnte hier ein Defizit entdecken an dem ich arbeiten muss.

Schulisch geht es soweit ganz gut voran. Geschichte ein A ebenso wie in Französisch. Meine einzige Sorge bleibt die Mathematik, obwohl ich mich da auch etwas verbessern konnte. In einem Monat geht es dann zurück nach Österreich. Dort werde ich dann die Weihnachtsferien mit meiner Familie in Wien und eventuell in Salzburg verbringen. Darauf freue ich mich schon. Aber davor gibt es noch einiges zu tun. 


Christoph Seifriedsberger, U23-Weltmeister im Vierer bei der WM in Rotterdam 2016, erhielt aufgrund seiner Ruderleistungen und der ausgezeichneten schulischen Erfolge ein Stipendium auf der Elite-Uni Berkeley, USA. Er war Junioren-Europameister 2013 und trainiert bereits für die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio, Japan. Christoph wird von uns mit einem Stipendium unterstützt und berichtet hier regelmäßig über seine Erfahrungen und Erlebnisse in den USA.