Wohnung... verzweifelt gesucht: In Europas Großstädten ist bis 2030 eine riesige Angebotslücke absehbar

02. Nov 2020

Wohnung... verzweifelt gesucht: In Europas Großstädten ist bis 2030 eine riesige Angebotslücke absehbar

Ob London, Warschau oder Paris: Der Zuzug in die Metropolen bleibt ein Megatrend in Europa. Denn dort locken Jobs, Studienplätze, Kultur und Lifestyle. Doch kann der Wohnungsmarkt mit der wachsenden Zahl an Interessenten überhaupt noch mithalten? Eine Studie von DIW Econ, einer Tochter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), beantwortet diese Frage mit einem klaren „nein“. Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage ist sogar immens.

So hat das DIW ermittelt, dass in den kommenden zehn Jahren rund 1,2 Millionen Wohnungen in Europas Top-Metropolen fehlen werden. Am schwierigsten wird es für all jene, die es nach London zieht. Dort ist die Lücke mit rund 355.000 zu wenigen Wohnungen am größten. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen Warschau (rund 142.000 Wohnungen) und Paris (rund 129.000 Wohnungen). Berlin kommt auf eine Angebotslücke von 119.000 Wohnungen – das heißt, die Stadt braucht bis 2030 nochmals rund acht Prozent mehr Wohnungen, als sie bisher hat. Im Schnitt sind dies rund 12.000 neue Wohnungen pro Jahr. Knapp dahinter folgt Wien mit einer Angebotslücke von 110.000 Wohnungen; das sind bis 2030 rund 10 Prozent mehr Wohnungen als es bislang in Österreichs Hauptstadt gibt.

Das Forschungsinstitut hatte im Auftrag der Wiener Komfortwohnungen für insgesamt neun europäische Metropolen – darunter Amsterdam, Budapest, Kopenhagen, Wien und Zürich – untersucht, wie viele Wohnungen in den kommenden zehn Jahren fertiggestellt werden müssen, um die erwartete Nachfrage zu decken. Dabei flossen die erwartete Bevölkerungsentwicklung, aber auch erwartete Wohnungsabgänge und fluktuationsbedingte Leerstandsquoten in die Berechnungen ein.

Die Motivation hinter der Studie war es, belastbare Erkenntnisse zur Entwicklung der Wohnungsnachfrage in den Großstädten Europas zu gewinnen. Ein politischer und wirtschaftlicher Handlungsbedarf lässt sich aus den Berechnungen des DIW deutlich ablesen. „Es braucht große gemeinsame Pläne von Politik, Gesellschaft und Investoren, um dem Bedarf an Wohnraum gerecht zu werden“, so Alexander Finster, Geschäftsführer der Wiener Komfortwohnungen. „Der Mega-Trend der Urbanisierung ist ein paneuropäisches Phänomen, dem sich alle Metropolen stellen müssen.“

Zuwanderung treibt Nachfrage nach Wohnungen – Subzentren entstehen

Die teils eklatanten Angebotslücken bis 2030, die die DIW Econ ermittelt hat, führt Studienautor Konstantin A. Kholodilin vor allem auf das anhaltende Bevölkerungswachstum in den meisten Hauptstädten zurück. Deren Arbeitsmarktchancen, Bildungsmöglichkeiten, Infrastruktur und Lebensqualität zögen insbesondere ausländische Bürger an. „Diese Entwicklung haben Politik und Städteplaner in der Vergangenheit häufig unterschätzt“, so Kholodilin. Ein Beispiel dafür sei Berlin. „Nach einer intensiven Bautätigkeit bis Mitte der 90er-Jahre passierte erst einmal nicht viel, weil man davon ausging, dass die Bevölkerung eher schrumpft als wächst.“

In den europäischen Großstädten sei teilweise erst spät die Erkenntnis gereift, dass der Wohnungsbestand nicht mehr den Bedürfnissen der Menschen entspreche. „Das Wohnungsangebot kann sich aber nur langsam an die Nachfrage anpassen – wegen der knapper werdenden Bauflächen, aber auch langwieriger Genehmigungsprozesse und fehlender Arbeitskräfte für den Bau“, so Kholodilin.

Die DIW-Forscher gehen davon aus, dass die Wohnungskapazitäten in den Kernstädten am Limit sind – wobei der Trend wegen der steigenden Anzahl an Single-Haushalten zu kleineren Wohnungen geht. Schon jetzt werde in den Innenstädten Infrastruktur wie Post- oder Bankfilialen abgebaut, weil dort hauptsächlich gearbeitet und immer weniger gewohnt werde. Studienautor Kholodilin erwartet, dass stattdessen künftig verstärkt suburbane Zentren mit guter Infrastruktur und Anbindung an die Metropolen entstehen müssen – und werden: „Die monozentrale Stadt ist eine Stadt der Vergangenheit“.

Die Ergebnisse der Studie im Detail finden Sie im pdf-Dokument auf unserer Presse-Seite.

 

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